Die Entstehung des Trialsports als ein Motorradsport

Zur selben Zeit, als die Entwicklung des Fahrrads sozusagen „abgeschlossen“ war, begann um 1900 die Entwicklung des Motorrads und des Motorradsports. Wieder ging es um die Erhöhung der Mobilität des Menschen. Das Motorrad bot nun ganz andere Möglichkeiten als das Fahrrad, war dafür aber auch sehr viel störanfälliger und die Motorradtechnik befand sich noch in den Kinderschuhen. Das schlug sich auch im Motorradsport nieder. Bereits kurz nach der Jahrhundertwende entstanden die ersten Zuverlässigkeits-Wettbewerbe, die auf den grünen Inseln reliability trials hießen. Das Wort trial bedeutete in diesem Zusammenhang ganz einfach nur „Prüfung“ 1 und hatte nicht die Bedeutung „Geschicklichkeitssport“.

Es gab bei diesen Trials die verschiedensten Sonderprüfungen, wie Brems- und Beschleunigungstests, Langsamfahr- oder Zeitprüfungen und an den damals überall noch zahlreich vorhandenen Furten die obligatorischen Wasserdurchfahrten zum Test der Zündanlagen. Und natürlich ging es auch ins Gelände. Für die frühen Maschinen, die oftmals noch nicht über eine Gangschaltung verfügten, stellten schon steilere Anstiege auf schlechten Wegen eine große Herausforderung dar. Hieraus entstand – offenbar erstmals 1911 beim Scottish Six Days Trial 2 – das Wesenselement des späteren Trialsports, der observed hill. An diesen meist langen und oft in mehrere Untersektionen aufgeteilten Steilstücken beobachteten Punktrichter, ob die Fahrer diese Abschnitte stilvoll bewältigten oder dabei zum Stillstand kamen oder die Schiebehilfe der eigenen Beine oder gar fremde Hilfe benötigten.

Die observed hills erwiesen sich als eine erstklassige Möglichkeit zum Test von Roß und Reiter. In dem Maß, wie sie als ein vorangiges Element verwendet wurden und die übrigen Tests des Zuverlässigkeits-Trials in den Hintergrund traten, entstand das observed trial. 3 Es dauerte aber noch bis in die fünfziger Jahre, bevor sich das observed trial, also unser heutiger Trialsport, zu einer eigenen Sportart spezialisiert und aus der Vielzahl früherer Punktwertungen eine allgemein übliche Trialwertung 1-3-5 herausgebildet hatte.

Zuvor war unter anderem eine 3-5-Punktwertung verbreitet gewesen, die bereits für einen einzelnen Fuß in einer Sektion drei Strafpunkte vergab. Die Begründung war, daß der im Trialsport damals allgegenwärtige lange Gummi-Regenmantel, der rubber poncho, das Fußeln nur schwer erkennen und keine nähere Differenzierung zulasse. Es ist faszinierend zu sehen, daß das bicycle trial der Windlesham Wheelers im Jahr 1947 noch mit dieser alten 3-5 Punktwertung ausgetragen wurde und noch in eine Zeit fällt, in der der Prozeß der Spezialisierung des Trialsports zu einer eigenständigen Disziplin des Motorradsports noch nicht völlig abgeschlossen war.

  1. Geländesport-Wettbewerbe, die damals sowohl Zeitwertungen, als auch Trial-Sektionen enthielten, wurden bis in die sechziger Jahre in Deutschland ebenfalls als „Gelände-Prüfung“ bezeichnet. Vermutlich handelte es sich um eine Übersetzung der englischen Bezeichnung „trial“.
  2. THE MOTOR CYCLE, 24. Januar 1924, S. 105
  3. Dieser Begriff wird im englischsprachigen Raum bis heute verwendet. Auf dem Kontinent lernte man den Sport von vornherein unter dem Namen Trial kennen und es scheint, daß dieser gewandelte Sprachgebrauch, der das Wort Trial als „Geschicklichkeitssport“ versteht, heute wiederum auf die englischsprachige Welt zurückwirkt und die ursprüngliche Bezeichnung „observed trial“ nach und nach verdrängt